Mittwoch, 10. Februar 2016

Reisende

Reisende soll man nicht aufhalten.
Dieser Spruch kam mir gestern Morgen in den Sinn, aber nicht weil jemand die Stelle gekündigt hatte (wo ja der Spruch ab und zu mit einem bitteren Beigeschmack verwendet wird). Nein, ich sass im Zug zwischen Wankdorf und Bern und schaute zum Fenster raus. Die Zeitung war schon lange gelesen und die Mails vom Büro auch - mein Schnupfen hatte mich schon um fünf Uhr aus dem Bett gebracht. Neben mir holte ein Doppelstöcker aus dem Aaretal auf, fuhr dann etwa gleich schnell, dann wieder etwas weiter hinten um dann erneut aufzuholen. Die Geschwindigkeit beider Züge war ähnlich, die Beleuchtung innen an - man konnte toll Leute beobachten:

Dieser ältere Herr dort am Fenster, der kommt mir etwas bekannt vor  - ja, jener der noch immer sein 20Minuten liest. Die Zugfahrt war wohl zu kurz.
Ganz vorne ist fast jeder Platz besetzt, dann aber lichten sich die Reihen; ist das etwa die 1. Klasse? Nein, 2. Klasse, warum stehen die 20 Meter weiter vorne alle bloss?
Dort pennt einer  - hoffentlich verpennt er dann nicht seinen Ausstieg....
Aha, eine junge Frau hat meinen Zug ebenfalls bemerkt - sie schmunzelt und spricht dann zu jemandem gegenüber, wer da wohl sitzt?

Stress kam bei mir ja keiner auf: wir waren eh schon zu spät und mein knapper Tramanschluss wurde nun zu einem mit viel Luft. Und da mein Zugsteil jeweils in Bern bleibt, steigen alle aus und man kann sich dabei Zeit lassen (sofern man welche übrig hat). Deshalb ging ich ohne Eile die Welle hoch, Richtung Hirschengraben zur Tramstation. Dort standen für einmal eher unbekannte Gesichter und warteten auf ihre Fahrt  - aber nicht nur, die junge Dame die jeweils auf dem gleichen Tram Richtung Eigerplatz fährt, die war auch da. Sie sieht ein wenig aus wie Katie Melua, und sie scheint auch mit der S44 aus Burgdorf anzureisen - und sie war heute auch ein Tram später unterwegs....