Dienstag, 22. November 2016

Flaschenzug

Heute sind sie mal wieder nicht meine Freunde, die Flaschen von der BLS. Es war SMS 185 in diesem Jahr heute Morgen und alle erzählen sie das Gleiche: verspätete Züge, ausfallende Züge, Bauarbeiten mit Bus statt Bahn, verkürzte Züge. Heute kam die Meldung um 06:31 rein. Der Zug den ich eigentlich nehmen würde, fährt auch um 06:31. Mein Zusatzzug Wiler-Ostermundigen  (mit Umsteigen in Zollikofen nach Bern Wankdorf) geht 06:42 - heute aber eben nicht. Vermutlich abkommandiert für einen anderen Kurs, denn dieser Zug kommt nirgendwo her, der startet in Wiler und kann gar keine Verspätung haben. Vermutlich fuhr er für die massiv verspätete S44 nach Solothurn und stand dann um 06:59 wieder in Utzenstorf. Sonst hätte dieser nämlich auch nicht gepasst. Der 06:59 ist nämlich ein blöder Zug, kommt 07:12 in Burgdorf an und der Anschluss fährt 07:16 weiter - nach Fahrplan. Real sieht das anders aus: 07:15 Ankunft, Spurt von Gleis 5 auf Gleis 1 (mehr geht nicht!) und dann rein in den schon vollbesetzten Zug.

Mag ich nicht, darum nehme ich im Normalfall den 42er.....ausser wenn er nicht fährt.

Freitag, 18. November 2016

Irgendwo

In den letzten Tagen kam mir mal der Gedanke, dass nicht nur die Zeit immer schneller vorbeizugehen scheint, sondern dass sich die Wochen, Monate und Jahre irgendwie immer gleich "anfühlen". Irgendwie ist das positiv, das bedeutet dass es keine gravierenden, unvorhergesehenen Ereignisse gab. Ich bin mehr oder weniger gesund, habe einen mehr oder weniger guten Job, eine mehr oder weniger erholsame Freizeit und bin eigentlich zufrieden - mehr oder weniger. Aber so einfach ist das eben nicht, ich habe manchmal den Eindruck, ich befände mich irgendwo im Nirgendwo.

Bevor jetzt alle "Midlife-Crisis" schreien....nein, mit Sicherheit nicht. Mir ist beim Reflektieren nur aufgefallen, dass in früheren Jahren immer wieder Meilensteine am Horizont aufgetaucht sind, die dann langsam näher kamen, erreicht und Teil meiner persönlichen Lebensgeschichte wurden. Zuerst wollte ich älter und grösser werden, Kindergarten und Schule hatten so einen "me-too"-Charakter: etwas das ich endlich auch erreichen wollte. Gut, am Schluss war es dann wiederum das Ende der Schulzeit welches wir wohl alle herbeisehnten. Dann kam die Ausbildungszeit und damit endlich etwas Kohle - cool. Leider gab es dann aber auch die ersten Rechnungen..... War das Ende der Lehrzeit etwas Positives - noch mehr Kohle, man möge mir meinen Materialismus/Kapitalismus verzeihen - hatte die Rekrutenschule dann schon eher den Charakter von "Augen zu und durch". Oder frei nach Anita Weyermann: "Gring ache u seckle" (was ja nicht schlecht zum Militär passt, sowohl der Gring als auch das Seckle).
Jedenfalls ging es irgendwann weiter mit der intensiven Zeit der Wanderjahre, immer mal wieder was Neues, immer neue Ziele die es zu erreichen galt: Welschlandaufenthalt, Briefversand, Bahnpostfahren, Kadernachwuchsstelle, Checkamt, Posthalter-Ablösung, Australienreise..... es war einfach immer was los, auch privat. Frau, Kind, Haus,....und damit ging es eigentlich erst richtig los, denn nun waren die Kinder die Taktgeber und es waren dieselben Meilensteine die wieder auftauchten: Kindergarten, Schule, Ausbildung, Lehrabschluss um nur einige zu nennen.

Und heute?
Heute sind die Kids gross, arbeiten, verdienen Geld, haben eigene Ziele (die zum Teil noch nicht wirklich klar sind) und führen ihr eigenes Leben. Wir "Alten" hangeln uns von Frühjahr zu Herbst und umgekehrt, von Ostern zu Weihnachten, von Silvester zu 1. August, von Geburtstag zu Hochzeitstag, von Ferien zu Ferien. Die nächsten Meilensteine? Hm, vielleicht muss die Heizung mal ersetzt werden.... oder ich gewinne mal eine Million im Lotto? So richtig auftauchen will da im Moment nicht so richtig ein Stein, da müssen vermutlich noch einige Meilen zurückgelegt werden. Die Pensionierung, das ist dann wieder ein sotiger, aber die ist ja noch so weit weg und niemand weiss, wann und zu welchen Bedingungen ich dereinst in den Ruhestand treten kann oder muss. Das ist also nicht wirklich das nächste Ziel, das darf es nicht sein.

Gut, im nächsten Jahr gibt's bei mir mal wieder einen Dekadenwechsel, die 5 taucht auf. Ich weiss noch nicht, ob ich das wirklich feiern mag, wie und mit wem. Kommt dazu, dass wir auch noch silberne Hochzeit feiern (und ich somit im nächsten Jahr die Hälfte meines Lebens verheiratet sein werde, Tendenz steigend - hoffentlich). Das werden wir mit einer Wellness-Woche in Leutasch so richtig zelebrieren. Aber mein runder Geburtstag?

Müsste ich eigentlich in Ermangelung anderer Meilensteine.

Mittwoch, 9. November 2016

"Die spinnen, die......."

In der Schweiz gab es im letzten Jahr mal so eine richtige Schlappe für die Meinungsforscher des Schweizer Fernsehens. In der Folge (offiziell nicht "als" Folge) bekam dann ein anderes Institut den ausgeschriebenen Auftrag für die nächsten Jahre. Vermutlich hat sich das erfolglose Institut nun auf amerikanische Präsidentschaftswahlen spezialisiert und ist nun ähnlich treffsicher gewesen.....
Spass beiseite - es gab immer eine reale Chance, dass Donald "Duck" amerikanischer Präsident wird. Aber irgendwie glaubte trotzdem niemand so recht daran. Wieso sollten die Amerikaner einen ungehobelten, sexistischen, diplomatiefreien Rassisten zu ihrem obersten "Chef" machen?
Sie haben es trotzdem getan. Einige finden Trump sympathisch, weil er am liebsten alles unamerikanische aus dem Land werfen und nie mehr rein lassen möchte. Kennen wir doch irgendwo her, schliesslich haben wir ja die beste Armee der Welt, gäu Ueli!
Andere mögen Trump, weil er so ziemlich allen an den Karren fährt, die bis dato in diesem Land etwas zu sagen hatten. Dass gerade den Ärmsten unter ihnen vermutlich schon bald die Krankenversorgung wieder weggenommen wird, das hat er natürlich bislang verschwiegen. Die faulen Säcke sollen vermutlich arbeiten, und wenn nicht, werden sie am besten kriminell - und dann könnte man ja doch einmal was aus dem Ausland importieren: das Modell Duterte aus den Philippinen beispielsweise.
Ganz sicher ist für mich aber eines: die Mehrheit der Wähler scheint die Vertreter der Öl- /Waffen- / und sonstigen Lobbies schlicht und ergreifend nicht mehr zu verstehen. Und das wiederum verstehe ich (im Gegensatz zum Wahlkampf an sich). Die Clintonlady ist auch mir fremd, wirkt abgehoben, distanziert und künstlich freundlich. Sie hätte ganz gut eine Rolle im Film "death becomes her" (der Tod steht ihr gut) besetzen können, DAS hätte ich ihr sofort abgekauft.

Nun, lassen wir uns mal überraschen - ob eine Mauer gebaut wird und wer sie bezahlt. Die Mexikaner wohl kaum, aber vielleicht die Kanadier? Das wäre ja ein Ding.... oder gleich eine riesige Glocke über den USA wie im Simpsons-Film, dann kann Donald gleich auch die Einwanderung der extraterrestrischen Sonnenstrahlen einschränken. Vermutlich haben schon bald die Russen das Sagen in Syrien, zusammen mit der Türkei. Könnte nicht vorteilhaft für die Kurden und die syrische Opposition sein. Und wen besucht der neu gewählte Präsident wohl als ersten im Ausland? Vielleicht den isolierten Kim? Oder Wladimir mit dem auf Französisch so unvorteilhaften Nachnamen? Die le-Pen-Frauen in Frankreich sind ja noch nicht an der Macht und Geert in den Niederlanden auch nicht....Oder Duterte, richtig, der könnte das Problem mit den fehlenden Giftcocktails im amerikanischen Justizvollzug lösen.

Und zum Schluss noch dies: was grenzt an Dummheit?
.
.
.
.
.
Mexiko und Kanada.

Samstag, 5. November 2016

Der Winter steht vor der Tür

5. November und unser Rasenmäher ist immer noch täglich im Einsatz. Aber das wird sich bald ändern, die Temperaturen gehen in einen regelrechten Sturzflug über. Freddy der Rasenmäher kann in den Winterschlaf. Wenn ich mich selber betrachte wähne ich mich auch bereits im von mir nicht so geliebten Winter. Da ist einmal der Winterspeck (der leider auch im Frühling jeweils noch da ist) und zum anderen die Erkältung die mich seit vorgestern plagt. Zwar bislang nur ein Schnupfen mit Auswirkungen auf die Stirnhöhle, aber ziemlich ermüdend. Zum Glück ist jetzt Wochenende und ein ruhiges obendrein.
Wie im letzten Jahr werde ich mich erneut gegen Grippe impfen lassen. Hat sich bewährt, gab's mal eine Infektion, war's immer rasch vorbei und vor allem ging's mir nie auf die Bronchien (was wohl bei mir eine anfällige Schwachstelle ist). Wenn's noch der Arbeitgeber im Büro gratis anbietet - umso besser. Vielleicht werde ich es bereuen wenn ich dann noch nicht ganz gesund bin - soll ja durch die Impfung verstärkt werden eine bestehende Erkältung....

Gestern haben wir noch den Schweizer-Meister-Titel meiner Frau gefeiert. Es waren zwar nicht so viele Aussies und Border Collies am Start, aber erstens muss man sich zuerst mal für die Meisterschaft qualifizieren, und zweitens muss man dann auch noch die Beste sein. Also haben wir uns einen Tisch im Platanenhof reserviert und einen feinen Rehrücken genossen. Davor ein handgeschnittenes Kalbstatar mit Buechibärger Trüffel....einfach köstlich.

Jetzt gehen wir also mit Riesenschritten Richtung Adventszeit. Draussen brennt am Abend eine Kerze in unserer Laterne, der Schnee soll nächste Woche bis ganz nach unten fallen und die Wätterschmöcker sagen einen strengen Winter mit weisser Weihnacht voraus. Vielleicht macht mir der Winter so ja mehr Spass - wenn es denn mal so kommt.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Flixbus

Heute stand in 20Minuten ein Artikel über eine neue Flixbus-Verbindung. Streckenführung: Konstanz-Zürich-Bern-Lausanne-Genf-Lyon. Klingt auf den ersten Blick unverfänglich und ist zudem für uns PostAutoler nicht uninteressant, weil CarPostal France den Sitz in der Agglomeration Lyon hat. Soweit, so gut.
Der Artikel stellte dann aber noch die Vermutung auf, dass es hier Fahrgäste geben wird, welche den Preis für eine Reise nach Lyon bezahlen, dann aber nur -beispielsweise - von Zürich nach Bern mitfahren. Das ist ja eigentlich verboten, der Transporteur darf keine solchen Transporte anbieten, aber auf der anderen Seite kann der Chauffeur die Fahrgäste ja auch nicht am Aussteigen hindern - das wäre ja Freiheitsberaubung. Und die Polizei rufen ist auch keine Option: erstens ist das nverhältnismässig, zweitens käme es einer Selbstanzeige gleich.

Ich weiss nicht so recht, was ich von dieser Grauzonenbeförderung halten soll. Es ist klar illegal, zumindest für den Transporteur. Aber die Züge auf der entsprechenden Strecke sind ja proppenvoll? Entgehen so der SBB wirklich viele Einnahmen? Oder sind es potentielle Selbstfahrer welche dann eben auf der gleichen Strasse, aber in einem Sammelgefährt unterwegs sind?
Die Ticketpreise der SBB sind hoch, das ist unbestritten. Und die Paradestrecke Zürich-Bern kann mit Sicherheit günstiger produziert werden, als sie verkauft wird. Aber wie sieht es aus mit beispielsweise der Strecke Spiez-Kandersteg? Oder Spiez-Zweisimmen? Was passiert mit den Ticketpreisen wenn diese kostendeckend sein müssen? Vermutlich wird Zürich-Bern wesentlich günstiger und die beiden anderen werden unbezahlbar. Fährt dann dort auch ein Flixbus?

Im Fall von Zürich-Bern würde vermutlich die Belegung der Züge dermassen zunehmen, dass die Kapazität bei weitem nicht mehr ausreichen würde. Das Gleiche lässt sich auch für den Bustransport sagen, wenn dieser legalisiert würde: entweder im Bus oder auf der Strasse gäbe es massive Engpässe - vielleicht auch an beiden Orten. Und wie reagieren die Preise im Bus, wenn die Nachfrage stark zunimmt? Genau - sie steigen. Am Ende kostet Flixbus ähnlich viel wie der Zug und dieser wird auch nicht viel günstiger, weil ja weniger mitfahren und mitzahlen. Unterm Strich wären die Randregionen und/oder die Steuerzahler die Verlierer. Dort gäbe es weniger Leistung zu viel höheren Preisen, die entweder der Fahrgast oder der Steuerzahler berappen müssten.

Eigentlich ist die aktuelle Lösung also gar nicht so schlecht. Wer statt des eigenen Autos den Flixbus wählt, entlastet die Strasse und hat keine zeitlichen Nachteile - er stünde mit dem PW im selben Stau. Wer den Flixbus statt dem Zug wählt, entlastet den Zug. In der Rushhour ist das sicher nicht negativ, auch wenn es ein paar Einnahmenausfälle gibt. Solange die Fahrgäste nicht im grossen Stil umsteigen, sollte dies zu verkraften sein. Und ich vermute, es werden nicht allzu viele Zugspassagiere umsteigen. Für Vielfahrer unter ihnen ist der Flixbus-Preis nicht sehr attraktiv wenn man noch die Staurisiken auf der Strasse einbezieht. Als Nischenangebot ist mir der Flixbus also nicht gänzlich unsympathisch, auch wenn dieses Geld ins Ausland abfliesst und meine eigene Branche konkurrenziert wird.

Samstag, 22. Oktober 2016

Ganz - schön - hübsch

Heute ist Samstag, Flower Power Tag. War gar nicht so einfach nach dem tollen Konzert gestern in der Kulturmühle Lützelflüh. Bis wir genug herunter gefahren waren für's Bett, war schon fast Mitternacht. Trotzdem war ich um neun Uhr an den Geräten und sogar ziemlich motiviert. Ich habe mir gestern noch ein paar Apps auf mein Handy geladen und kann nun fast alles aufzeichnen. Doof finde ich nur, dass jedes Gadget seine eigene App braucht: eine für den Schrittzähler, eine für den Ergometer im Fitness-Center, eine für die Statistik der Kraftübungen, und weil die nicht alle miteinander kommunizieren braucht's noch eine um das alles zusammen zu bringen. Verrückt diese schöne, neue Welt....

Wenn ich am Samstagmorgen trainiere, dann hat das noch einen ganz besonderen Reiz: es hat nämlich zu dieser Zeit meist viele hübsche Frauen im Flower Power Burgdorf. Klingt jetzt zuallererst etwas simpel und da sind wir Männer vielleicht etwas einfacher gestrickt als die Frauen. Trotzdem scheint mir, wir sind manchmal für Feauen kompliziert zu verstehen (weil sie unsere "Einfachheit" nicht so erfassen). Noch schwieriger wird es aber für uns Männer, das komplizierte Wesen der Frauen zu verstehen - Frauen sind eben von der Venus.....
Genug der Klischees - wo ich diese jungen, hübschen Frauen nicht verstehe, ist in ihrem Auftritt im Fitnesscenter. Gut und oft auch figurbetont angezogen laufen sie ihre Runde ab, von Gerät zu Gerät, zwei Knöpfe in den Ohren mit Musik, ein abwesender Blick und eine klare Message im Gesicht: don't talk to me! Sie bleiben irgendwie die ganze Zeit für sich, in ihrer eigenen Welt, schon fast in einem Kokon. Wenn's hoch kommt geht vielleicht mal eine an den Tresen zu einem der Trainer / Betreuer oder wie die genau heissen (dann sieht man meist aber auch gleich den Grund in Form von purer Begeisterung im Gesicht dieser jungen Damen). Irgendwie schade - woher kommt das bloss? Werden die reihenweise angequatscht wenn sie in eine Gruppe von Leuten (Männern) schauen? Geht das vielleicht dermassen auf den Keks, dass sie einfach ins Nirgendwo blicken?
Keine Ahnung, ich bin erstens keine Frau, zweitens aus der falschen Generation und drittens - vermutlich entscheidend - bezüglich Attraktivität Welten von diesen Ladies entfernt. Aber ich sehe auch immet wieder attraktive, hübsche Damen die obendrein noch eine gute Ausstrahlung haben. Und diese Frauen sind dann eben nicht nur hübsch (anzusehen), sondern schön. Für's Training sind mir allerdings die hübschen Ladies fast lieber - ich will ja auch höchstens etwas gucken....

Ab und an hilft ein solcher Anreiz, wenn man eigentlich gar nicht trainieren mag - so wie letzten Donnerstag. Ich sass im Zug, müde weil der Schlaf in der letzten Nacht weder besonders lang noch besonders tief war. Es schlich sich schnell einmal der Gedanke ein, was für ein tolles Gefühl es doch wäre, im Zug zu bleiben und direkt nach Hause zu fahren. Nun, ich bin trotzdem ausgestiegen.
Im Fitness-Center war dann tote Hose. Die Dame am Tresen begrüsste mich mit Namen und meinte nur: "das ganze Center für Dich alleine!" Hmm.....
Das Gefühl beim Heimfahren war dann noch besser als jenes, wenn ich direkt nach Hause gegangen wäre - auch ohne optische Anreize.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Kriminell

Stell Dir vor, Du arbeitest jahrelang am Hauptsitz der Post in der Schönburg, und weisst nicht, dass gleich nebenan der Tatort eines schlimmen Verbrechens ist.... Nun, nicht wirklich ein Verbrechen, das behauptet nur Alexander Heimann in seinem Krimi "Bellevue". Und in eben jener Siedlung nicht weit vom Salem-Spital startet jeweils der Rundgang durch die Stadt Bern unter dem Slogan "Bern kriminell - wo Worte morden".

Unser Stadtführer mit Namen Schibli (Pesche wenn ich mich nicht irre) führte uns also zuallererst auf den zentralen Spielplatz in eben jener Siedlung mit der "bellen vue". Er erklärte wie praktisch die grossen Fenster und Balkone für die Mütter seien, die so recht einfach immer ein Auge auf die Jungmannschaft haben könnten. Insgeheim fragte ich mich, was denn eine Mutter genau machen kann, wenn der Junior sich im Tempo eines gehetzten Affen aus dem Staub machen will - aber sei's drum, manchmal zählt auch nur schon die gute Absicht.
Mitten in diese Erklärungen mischte sich plötzlich eine - zugegeben nicht ganz unauffällige - junge Dame, auf dem Kopf der Hut eines Kriminalermittlers und verhüllt durch einen Mantel der jedem Detektiv gut gestanden wäre, in der Hand ein Buch und im Gesicht der aufgesetzte Blick einer ängstlich-kritischen Person: ja, man müsse wissen, so idyllisch sei das überhaupt nicht, dieses Quartier, der Spielplatz alles andere als friedlich - sogar ein Mord sei hier passiert. Plötzlich wäre ein 6-jähriger Knabe tot gewesen, erschossen mit 4 Schüssen, vermutlich aus einem Gewehr.
Das alles fand natürlich nur im Kopf eines Anwohners statt, eben jenes Alexander Heimann, und von diesem Kopf fand die Geschichte dann ihren Weg zu Papier und kann nun nachgelesen werden. Als Krönung meldete sich der bereits vor Jahren verstorbene Schriftsteller zu Wort, nicht als Geist sondern ab iPhone in einem Interview aus dem Jahr 2000. Es gäbe hier durchaus Kinderhasser und wenn man so auf den Spielplatz schaue, dann wirke der gerade sehr friedlich (stimmte: da war nur eine Mutter mit zwei Kindern). Aber an einem schönen Maitag wäre das ganz anders, laut und zwar bis in die Nacht. Und wenn man sich so umschaue, falle einem dann jene Person auf die nicht hierher gehört (stimmte) oder die seltsame Gruppe von Leuten (stimmte auch, nämlich wir) und würde jetzt in den nächsten 24 Stunden hier ein Verbrechen geschehen, dann wären diese alle verdächtig und sicher die Hälfte von ihnen schon bald verhaftet.

So ging es dann weiter, Rosengarten, Bärengraben, Gerechtigkeitsgasse 44, Zytglogge, Polizeikaserne. Im Rosengarten war die kurlige Person schon wieder anzutreffen und sie vermieste unserem Führer das Anpreisen der herrlichen Aussicht auf die Altstadt von Bern: sie sähe Tatorte, überall wären Orte schrecklicher Verbrechen zu sehen. Man wurde sich nicht einig und wir waren schon fast erleichtert, als die nervige Person von dannen zog und beim Bärengraben nicht mehr auftauchte.
Dort lag gemäss Marijke Schnyder irgendwann mal ein Mann erschossen im Bäregrabe, gemäss Polizei ein glasklarer Fall von Suizid auf der Brüstung mit anschliessend tiefem Fall (soweit das überhaupt noch möglich ist für eine Person mit Selbstmordabsichten). Passiert war aber alles ganz anders, die Waffe hätte der Selbstverteidigung dienen sollen, landete dann aber an der falschen Schläfe - der Täter war offensichtlich stärker als das Opfer.

An der Gerechtigkeitsgasse 44 wartete dann der Wachtmeister Studer auf uns. Er ermittelte in einem Fall von zwei zusammenhängenden Morden, einer in Bern und einer in Basel. Zwei Schwestern, mit dem gleichen Mann liiert, nicht gleichzeitig und eine von ihm geschieden und die andere nicht mehr mit ihm zusammen - weil jener besagte Mann war auch schon tot, verstorben in Marokko und dies wie sich später herausstellte unter mysteriösen Umständen. Der Fall umfasste ergo drei Tote.... die interessanteste Rolle hatte aber Frau Tschumi inne. Eine unzuverlässige Zeugin, wohnhaft an der Gerechtigkeitsgasse 44, Engländerin und darum mit einem unsäglichen Akkzent ausgestattet, Ballettlehrerin - und im echten Leben während sieben Jahren liiert mit Friedrich Glauser. Danach "charmant" verewigt im Buch von Friedrich Glauser.....

Am Zytglogge beschwerte sich dann eine Touristin aus Genf darüber, dass diese Touristenattraktion keinen Ton von sich gab - rien ne vas plus! Damit störte sie natürlich einmal mehr unsere Stadtführung, aber immerhin konnte uns Paul Lascaux weiterhelfen. Er beschreibt nämlich im Buch Un-Zyt-Glogge dass das ganze Uhrwerk von einer männlichen Leiche mit Mistgabel im Rücken blockiert war. Dieser war seines Zeichens Wirt in einem nahegelegenen Restaurant. Und als der Wirt das Uhrwerk nicht mehr blockierte, setzte Hans von Thann prompt wieder zum Glockenschlag an - und schubste dabei den Koch desselben Restaurants vom Turm in den Tod. Mehr war leider nicht zu erfahren, ausser dass die zwei offenbar ein Paar waren - der Rest steht dann eben im Buch.

Den Abschluss fand der Rundgang dann vor der Polizeikaserne. Diese Story ist mir nicht mehr geläufig, ich weiss nur noch es ging um eine Verfolgungsjagd, vorne ein Velo mit neuartigem Antrieb, hinten ein potentieller Mörder auf einem Motorrad. Letzterer landete im Oppenheimer-Brunnen und der Velofahrer in der Polizeikaserne auf einem Polizisten (weil ein Schuss die Hydraulikleitung des Velo beschädigt hatte und das Velo somit vermindert bremsfähig war). Es war ein versöhnlicher Abschluss mit der kurligen Dame und beide erhielten kurzen, aber intensiven Applaus - der einsetzende Regen trieb uns weiter in Richtung Le Mazot wo ein feines Fondue auf uns wartete.

PS: neben all den fiktiven Verbrechen haben wir auch noch einige harte Fakten über die Stadt Bern mitbekommen: der einzige Hafen von Bern beispielsweise (Ländtetor); wie viel die Nydeggbrücke gekostet hat, warum es dort Zollhäuschen hat und wer warum die Mehrkosten des Baus schlussendlich übernehmen musste; warum in der Gerechtigkeitsgasse unten die Keller auf Strassenhöhe angesiedelt sind, während in der Junkerngasse die Lauben regelrecht absaufen; wo Gericht abgehalten wurde und warum die Richter danach besoffen zur Beichte gingen. Wen's interessiert, der kann mich ja mal fragen..