Dienstag, 18. Mai 2021
Das letzte Mal
Montag, 17. Mai 2021
Serien-Montag
Das haben sie wirklich, wirklich stark gemacht. Die aktuell ausgestrahlten Folgen von Grey's Anatomy stehen ganz im Zeichen des Corona-Virus. Seit rund sieben Sendungen tragen alle Darsteller mehr oder weniger immer eine Maske, die Spitäler sind überfüllt, die Ärzte rat- wenn nicht sogar manchmal hilflos. Über einen Grossteil dieser sieben Sendungen zieht sich eine total gegensätzliche Szenerie, ein wunderschöner Strand (wer mich kennt, weiss wie sehr ich so etwas liebe). Jene Ärztin, welche im Spitalbett gegen Covid und den Tod ankämpft, steht dort am Strand und führt Zwiegespräche mit ihrem Mann, der schon Jahre tot ist.
In der heutigen Folge hat sich ein weiterer Arzt dazu gesellt, und dabei wurde klar: der Strand stellt eine gemeinsame Nahtod-Erfahrung dar. Wie so oft hat der junge Arzt etwas Gutes getan: er hat eine Kinderhändlerin überführt, obwohl man ihm früher das nicht geglaubt hatte. Er wurde sogar als psychisch krank diagnostiziert. Jetzt hat er recht behalten, bezahlt es aber am Ende mit seinem Leben.
Das ist typisch für Grey's: neben der grossen Story, die sich meist über zahlreiche Folgen erstreckt, sind es die einzelnen kurzen Geschichten, die für mich den Reiz dieser Sendung ausmachen. Und ich bin da nicht der Einzige - 391 Folgen in den vergangenen 16 Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Ich merke das immer dann, wenn mir eine Folge auf einer jener Sender unter die Augen kommt, welche alte Serienfolgen ausstrahlen. Die Darsteller sind dann plötzlich so viel jünger als ich sie in Erinnerung habe. Wir sind sozusagen zusammen älter geworden und man merkt es gar nicht, wie sich alle verändert haben.
Heute allerdings waren sie ziemlich schwer diese kleinen Stories. Nicht die zahlreichen Toten durch das Virus waren ein Thema, vielmehr waren sie gar kein Thema. Aber es wimmelte von Begegnungen in dieser Folge, welche sich im Nachhinein als verpasste Chancen herausstellten: die Kinderhändlerin im Spital früher zu enttarnen (bevor sie dem Arzt ein Messer in den Bauch rammen konnte) oder das Frühchen früher zu seiner Mutter zu bringen, trotz des Risikos (dafür bevor die Mutter sterben musste). Ich mag diese Serie sehr, aber es ist schon so wie Kritiker immer wieder ins Feld führen: hier schwingt mit Shonda Rhimes eine Meisterin als Drehbuchautorin und Produzentin das Szepter, sie versteht es wie kaum eine andere, immer wieder eine neue Katastrophe auftauchen zu lassen. Man kann da schon etwas in negative Schwingungen kommen....
Zum Glück gibt es da noch ganz andere Sendungen, und in einem solchen Film habe ich am Wochenende einen Satz gehört, der mich echt zum Schmunzeln brachte. Da stellte jemand die Frage: weisst Du, warum Engel immer mit den Worten "fürchtet Euch nicht" zu sprechen beginnen? Weil die Menschen Angst vor der Liebe haben...
Fand ich irgendwie schön und irgendwie auch nicht ganz falsch.
Sonntag, 16. Mai 2021
Spaziergang mit Cathy
Zum Glück gibt es diese kleinen Helferleins auf unseren Smartphones. Und zum Glück gibt es Sender, die immer mal wieder dieselben Filme zeigen. Ich bin - und das ist noch gar nicht so lange her - in einen Film von Cecelia Ahern reingezappt, direkt in einen Song der mir wirklich gut gefallen hat. Leider war damals das Handy gerade beim Laden und die spielen in einem Film ja nie den ganzen Song, sondern nur ein paar Takte. Heute habe ich den ganzen Film gesehen, nicht zum ersten Mal muss ich zugeben, aber ich hatte gerade Lust darauf. Die gute Dame stammt ja aus Dublin und auch ihre Geschichten erzählen, soweit ich das beurteilen kann, von der grünen Insel. Ja, und da war er wieder dieser Song, ich hatte das natürlich schon wieder vergessen, aber diesmal war ich schnell genug. Und so weiss ich jetzt, dass der Titel "in he comes" lautet und die irische Sängerin Cathy Davey ihn geschrieben hat (und auch singt). Ich kannte diese Sängerin bis heute nicht, uns so schien es mir eine gute Idee zu sein, sie mit auf einen Spaziergang zu nehmen.
Natürlich nicht persönlich, nur ihre Songs. Spotify lässt grüssen, kurz alles herunterladen und los ging's. Ich glaube, die gute Cathy Davey wäre wohl auch nicht mitgekommen, das Wetter war ganz unirisch - nicht nur nass, sondern eben sehr nass. Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung - dazu komme ich aber später nochmal. Dass es nass werden würde, war von Anfang an klar gewesen. Nun hätte ich ja die Möglichkeit gehabt, so ein bisschen durch das Dorf zu wandern, auf Asphalt, nur nass aber sauber. Ich bin dann einmal losmarschiert Richtung Hasenmatte, weil ich zuerst den Gedanken hatte, mal wieder zum Schloss zu gehen. Aber dann dachte ich mir, das hast du doch ein paar Mal gemacht in den letzten Wochen. Heute sollte es mal was Anderes sein. Heute bog ich beim Bahnübergang anders ab, lenkte meine Schritte Richtung Fussballplatz und dann über die Feldwege in einem weiten Bogen zurück Richtung Dorf. Diesen Weg hatte ich schon lange nicht mehr in Angriff genommen, genauer gesagt bin ich ihn zum letzten Mal mit den Hunden genau so gelaufen. Irgendwie hat es mich an die Kindheit erinnert, damals als mich Pfützen magisch angezogen haben und nasse Erde einfach zu einem Regentag dazu gehörte. Das schöne an dieser Route war, dass ich fast niemandem begegnet bin - eine Reiterin auf dem Pferd, das war's. Und dazu die Musik von Cathy - perfekt, perfekt anders.
Zurück zur Kleidung - die war dann wohl nicht allzu gut. Die Schuhe, so alt sie auch sein mögen, haben da noch am besten abgeschnitten, da gibt es nichts zu klagen. Bei Jacke und Hose müsste wohl mal wieder ein Imprägnierspray ran, wenn ich auch den Verdacht habe, dass es die Reissverschlüsse sind und die eventuell nicht wirklich wasserdicht zu kriegen sind. Gut, die Jacke aus dem Restposten-Verkauf von Werk5 in Wiler war auch wirklich extrem preiswert, 10 oder 20 Franken, höchstens 30, genau weiss ich das nicht mehr. Aber was soll's trocknet ja alles wieder zu Hause und irgendwie fühle ich mich gerade sehr viel lebendiger als wenn ich den ganzen Nachmittag auf der Couch rumgelegen wäre. Ein kleines Problem hat mich am Ende dann aber doch noch etwas genervt: die Kapuze hat irgendwann angefangen, sich mit den Kopfhörern anzulegen - im wahrsten Sinn des Wortes. Tippt man nämlich mit dem Finger auf den rechten Höhrer, dann passiert etwas. Und die angelegte Kapuze übte irgendwann regelmässig Druck auf genau diese Taste aus. Je nachdem was ich machte, führte das zu einer Pause, dem Abspielen des nächsten Songs oder sogar dazu, dass der Google Assistant gestartet wurde. Diese - es ist die Stimme einer Frau - nervte schon gewaltig, ich wollte Musik hören und nicht einen Dialog starten.
Nun, so weit war es ja nicht mehr bis nach Hause und jetzt läuft die Musik der guten Cathy eben in meinem Wohnzimmer. Irische Musik für einen irischen Lord - passt.

